2MOSE 13
20 So zogen
sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam
am Rande der
Wüste.
21 Und der
HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer
Wolkensäule,
um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in
einer
Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht
wandern
konnten.
22 Niemals
wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die
Feuersäule
bei Nacht.
(LUT´84)
In wenigen Stunden geht das Jahr 2011 unweigerlich zuende. 365
Tage lassen wir
hinter uns - und mit ihnen 8760 Stunden.
Ein Teil dieser
Stunden haben wir im wahrsten Sinne des
Wortes
verschlafen. Ein Teil der verbleibenden Stunden
ist so
dahingeflossen, ohne besonders aufzufallen. Aber
so manche Stunde
wird uns aus diesem Jahr in Erinnerung
bleiben. Mögen es
gute Stunden gewesen sein, in denen
wir unser Glück
gespürt haben. Mögen es Stunden der Er-
leichterung
gewesen sein, in denen wir eine Last von uns
genommen wurde.
Mögen es Stunden der Erfüllung gewesen
sein, in denen wir
buchstäblich heilfroh waren. Gewiss
aber gab es auch
so manche Stunde, an die wir wehmütig
zurückdenken.
Vielleicht weil wir eine Chance, die sich
uns ergab, nicht
genutzt haben, und dieser Möglichkeit
noch immer
nachtrauern. Vielleicht, weil etwas zerbro-
chen ist, was
einen fühlbaren Schmerz bei uns zurückge-
lassen hat.
Vielleicht, weil wir einem Missgeschick
nicht ausweichen
konnten und mit unserem Schicksal noch
hadern.
Wir haben uns
heute Abend hier zusammengefunden, um un-
seren Alltagstrott
zu unterbrechen. Für eine kurze Zeit
nehmen wir uns aus
allen Zusammenhängen heraus. Wir ge-
hen für eine
dreiviertel Stunde auf Distanz zur Welt,
mit der wir tagein
tagaus verwoben sind. Wir gönnen uns
den Abstand und
setzen uns Fragen aus, die wir im All-
täglichen kaum
stellen:
-Was hat mich 2011
am meisten überrascht u. beeindruckt?
-Was hat seine
Spuren nachweislich bei mir hinterlassen?
-Was hat mich
besonders mitgenommen und betroffen gem.?
-Was hat mich
weiter gebracht und dankbar werden lassen?
-Was ist leider
unerfüllt und auf der Strecke geblieben?
-Was hat mich
fester, gewiss in meinem Glauben gemacht?
-Was nehme ich aus
diesem Jahr unbedingt mit ins neue?
Wir schauen zurück
auf ein Jahr, das nicht spurlos an
uns vorüber
gegangen ist. Ereignisse und Begebenheiten
haben ihre Wirkung
auf uns gehabt. Es hat Erfreuliches
und Betrübliches
unseren Weg gekreuzt. Wir sind über-
rascht, aber auch
enttäuscht worden. Mancherlei Erwar-
tung konnten wir
nicht erfüllen und doch auch manchem
etwas Gutes tun.
Es gab Dinge, die wir nicht verstanden
haben und nicht
fassen konnten. Aber auch Dinge, die wir
endlich
durchschaut haben, weil der Groschen bei uns ge-
fallen ist. Wir sind ein Jahr älter
geworden, aber auch
reifer und
lebenserfahrener. Längst nicht alles ist uns
geglückt, wir
haben Fehler gemacht, und nicht immer so
gehandelt oder
reagiert, wie es gut gewesen wäre. Aber
ist das nicht
menschlich?! Hören wir dazu Eugen Roth:
Ein
Mensch hat eines Tags bedacht,
Was er
im Leben falsch gemacht,
Und
fleht, genarrt von Selbstvorwürfen,
Gutmachen wieder es zu dürfen.
Die
Fee, die zur Verfügung steht,
Wenn
sichs, wie hier, um Märchen dreht,
Erlaubt
ihm dann auch augenblicks
Die
Richtigstellung des Geschicks.
Der
Mensch besorgt dies äußerst gründlich,
Merzt
alles aus, was dumm und stündlich.
Doch
spürt er, dass der saubern Seele
Ihr
innerlichstes Wesen fehle,
Und schließlich gehts ihm auf die Nerven:
Er hat
sich nichts mehr vorzuwerfen,
Und
niemals wird er wieder jung
Im
Schatten der Erinnerung.
Dummheiten, fühlt er, gibts auf Erden
Nur zu
dem Zweck, gemacht zu werden. Lied
Wir sind unterwegs. Unterwegs durch Raum und Zeit. Das Bild, das
uns heute Abend
gegeben ist, lässt uns auf das wandernde
Gottesvolk
schauen. Dieses Volk bewegt sich am Rande der
Wüste in der
Gegenwart des Unsichtbaren. Am Tage ist es
eine Wolkensäule,
des Nachts eine Feuersäule, die das
Gottesvolk auf
seinem ungewissen Weg begleitet. Zeichen,
die deutlich
machen, dass Gott ihnen Orientierung auf
ihrem Wege ist. So
sind auch wir, so ist unsere Gesell-
schaft unterwegs.
Wir haben in diesem Jahr den arabi-
schen Frühling
erlebt, die "Arabellion" in Ägypten und
Tunesien, Lybien
und in anderen arab. Staaten. In Fuku-
shima in Japan
haben Erdbeben und Tsunami zur schlimms-
ten
Kernkraftwerkskatastrophe aller Zeiten mit unabseh-
barer Kernschmelze
geführt. Die EHEC-Seuche hat uns in
Angst und
Schrecken versetzt. Anders Breivik hat in Nor-
wegen gezeigt,
dass wir uns vor dem Wahnsinn nicht wirk-
lich schützen
können. Die Nazi-Terrorzelle öffnet uns
die Augen für
braunes Gedankengut in Deutschland. Die
Euro- bzw. Schuldenkrise
der Eurostaaten lässt uns um
unser Geld bangen.
Diese starken
Bilder aus dem zuendegehenden Jahr 2011
zeigen uns, dass
auch wir am Rande der Wüste unterwegs
sind. Diese
starken Bilder zeigen uns, dass wir unseren
Weg suchen. Noch
heute bewegen wir uns immer wieder am
Rande der Wüste
und irren umher auf der Suche nach dem
sicheren Wohnen.
Darum fragen auch wir heute Abend: Wo-
hin führt unser
Weg im neuen Jahr? Nicht weniger span-
nend wird die
Frage sein: Wer oder was begleitet uns auf
auf diesem Weg?
Es ist so manches,
was wir aus dem alten Jahr und frühe-
ren Zeiten
mitnehmen: Unsere Erziehung, die uns geprägt
hat, unsere
Bildung, die uns hellsichtig macht, sind
ständige
Wegbegleiter. Traditionen und Bräuche, die uns
vertraut sind,
sind uns in Fleisch und Blut übergegan-
gen. Rituale und
Regeln geben unserem Leben ihre für uns
wichtige Ordnung.
Besondere Worte und lebendige Erinne-
rungen verbinden
uns mit Menschen, denen wir begegnet
sind und unserem
gelebten Leben. Wunden und Verletzungen
tragen wir in
unserer Seele, die uns das Leben beige-
bracht hat. Hören
wir dazu noch einmal Eugen Roth:
Es gilt
just bei nervösem Leiden,
Aufregung aller Art zu meiden;
Besonders wie der Doktor rät,
Vorm Schlafengehen,
abends spät.
Noch
mehr fast, fleht er, gib dir Müh,
Dich
nicht zu ärgern in der Früh.
Und,
bitte, ja nicht zu vergessen;
Niemals
vorm, beim und nach dem Essen.
Wer
streng zu folgen ihm bereit,
Hat,
sich zu ärgern, kaum mehr Zeit. Lied
Wir ziehen weiter in ein neues Jahr. Wir werden auch 2012 unsere
Fehler machen,
weil es menschlich ist. Wir werden auch
2012 Enttäuschungen erleben, die wir zu
deuten haben.
Damit wir aber
weiterziehen können, müssen wir uns mit
der
Wüstenerfahrung des alten Jahrs versöhnen, anstatt
uns darüber zu
grün und blau zu ärgern.
Dann können wir
auf die Hoffnung schauen, die mit uns
zieht. Wie damals
das Gottesvolk am Tage die Wolkensäule
und des Nachts die
Feuersäule als Zeichen ihrer Hoffnung
deuteten, so
deuten wir Gottes Wort als unsere Hoffnung,
unser Wohin im Leben zu deuten!
Kurt Rainer Klein
Vielleicht haben Sie
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mailen Sie uns einfach an.
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